Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde

 

Die Anfänge der Evangelischen Gemeinde

Mitte des 19. Jahrhunderts werden erstmals evangelische Christen in der Umgebung Sendenhorst erwähnt: Familie Gösslinghoff in der Bauernschaft Jönsthövel. Anfang des 20. Jahrhunderts 1907 kam Familie Rehsöft dazu. Kirchlich wurden die Familien durch Ahlen versorgt. Dort gab es seit 1891 einen ersten evangelischen Pastor, der die damals etwa 300 Gemeindeglieder in der ganzen Gegend betreute.

Vor Ausbruch des ersten Weltkrieges gab es in Sendenhorst 8 evangelische Haushalte, vor allem von Beamten der Eisenbahn und der Post. Der Ahlener Pastor kam gelegentlich zu Fuß herüber und hielt Andachten und Unterricht in den Häusern.

Während des ersten Weltkrieges kamen vermehrt evangelische Verwundete in das Krankenhaus. Ihr Wunsch, einen eigenen Raum für Gottesdienste zu haben, wurde in der damaligen Rektoratsschule, die in der Nähe des Krankenhauses lag, erfüllt. Später mietete die kleine Gemeinde ein Zimmer in der Drogerie Schüttelhöfer an, in dem der Pastor aus Ahlen einmal monatlich am Sonntagnachmittag einen Gottesdienst hielt.

Dieser kleine Andachtsraum bestand noch, als nach dem zweiten Weltkrieg der Zustrom der Vertriebenen und Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands einsetzte, Sie wurden vor allem in den Bauernschaften untergebracht und lebten dort z.T. jahrelang in Notquartieren.

Die Westfälische Kirche richtete in dieser Notzeit in den bis dahin rein katholischen Gebieten evangelische Pfarrstellen ein. So wurde schon am 1. Februar 1946 Pastor Arthur Ruddies, ein Ostpreuße, in Sendenhorst eingesetzt. Er besuchte die evangelischen Flüchtlinge hier und in Vorhelm und sammelte sie zu einer Gemeinde.

Für die Gottesdienste wurden die katholischen Kirchen zur Verfügung gestellt. 1951 wohnten in Sendenhorst ca. 800, in Vorhelm ca. 350 und in Enniger ca. 250 evangelische Christen. Diese 1400 Gemeindeglieder bildeten den damaligen 4. Pfarrbezirk der Kirchengemeinde Ahlen.

Der Bau der Friedenskirche

Entgegen manchen Hoffnungen zeichnete es sich ab, dass sich die Vertriebenen auf Dauer in Westfalen einrichten mussten. So unterstützte das Diakonische Werk (damals Evangelisches Hilfswerk) Einfamilienhäuser auch in Sendenhorst, Vorhelm und Enniger. Zugleich entwarf das Landeskirchenbauamt eine einfache Diaspora-Kirche, die (mit ganz geringen gestalterischen Variationen) Anfang der Fünfziger Jahre an vielen Stellen des Münsterlandes errichtet wurde. Oftmals stellte die katholische Kirche ein passendes Grundstück zur Verfügung, so auch in Sendenhorst.

Hier wurde am 22. Juni 1951 der Grundstein gelegt, nachdem Gemeindeglieder die Ausschachtungsarbeiten vorgenommen hatten. Mit viel Selbsthilfe baute man weiter, bis es ein Jahr später soweit war: Am Sonntag, den 11. Mai 1952 hielt Pastor Ruddies in der St. Martinskirche eine Abschiedsandacht. Anschließend zog die Gemeinde zur Einweihung der neuen Friedenskirche zum Südtor.

So sahen damals alle diese Münsterländischen Diaspora-Kirchen aus: Unter dem hohen langen Dach mit dem Dachreiter-Türmchen umschließen backsteinverklinkerte Außenmauern einen verhältnismäßig schmalen und niedrigen Raum. Ein Mittelgang führt über den Bretter-Fußboden an der einfachen kastenförmigen Kanzel vorbei zum drei Stufen erhöht und in einer aus dem Kirchenraum herausgebauten Nische stehenden Altar.

Erst im Laufe der Zeit bekamen die Kirchenräume ihr eigenes Gesicht. Es ging wie mit den damals entstandenen Siedlungshäusern: Ursprünglich glich innen wie außen eins dem andern, bis nach und nach jede Familie ihrem Haus ihre eigene Prägung gab.

Die bauliche Entwicklung

Die erste entscheidende Veränderung brachte der Anbau des Gemeindesaals 1961 an die Südseite der Kirche. Er wurde durch eine Faltwand mit dem Kirchenraum verbunden, und im Zuge dieser Arbeiten ergaben sich noch weitere Umgestaltungen für die Kirche: der Holzfußboden wich den grüngrauen Anröchter Sandsteinplatten, der Kleine Saal im hinteren Teil wurde Bestandteil des Kirchenraums und nahm die Orgel auf, die Kanzel wechselte auf die rechte Chorraumseite, und links fand ein neuer, schwerer Marmorblock als Taufstein seinen Platz. Diesen An- und Umbau leitete Pastor Hermann Thiede von 1957 - 1970 Pfarrer in Sendenhorst. Ihm ist auch zu verdanken, dass aus dem 4. Pfarrbezirk der Kirchengemeinde Ahlen die selbstständige Kirchengemeinde Sendenhorst wurde, und zwar mit Wirkung vom 1. Mai 1969.

Der Name "Friedenskirche" war ausschlaggebend bei der Gestaltung des Gemeindesiegels. Es zeigt die Friedenstaube aus der Sintflutgeschichte, die als Zeichen neuer Lebensmöglichkeit Noah ein Ölblatt in die Arche bringt: Frieden mit Gott als Basis wirklichen Lebens!

1972 wurde vorwiegend aus Spenden die Orgel erneuert und um zwei Register erweitert. Zur gleichen Zeit erhielt der Altarraum einen neuen Keramikplatten-Belag, die dritte Altarstufe wurde entfernt und der Altar etwas vorgezogen, so dass der Pastor sich auch dahinter stellen konnte.

Am Erntedankfest 1974 konnten zwei neue Bronzeglocken in Betrieb genommen werden. Weihnachten 1976 wurden holzgeschnitzte Krippenfiguren gestiftet, die 2013 um einen Engel, sowie die heiligen drei Könige ergänzt wurden.

1977 und 1979 erhielt die Friedenskirche insgesamt neun bleiverglaste Farbfenster mit Motiven der verschiedenen Kirchenjahreszeiten, entworfen von Pastor Werner Günther. In dieser Zeit konnte auch ein neues Altarkreuz im Chorraum aufgehängt werden. Weiter wurden die Kirchenbänke gepolstert, und schließlich ersetzte eine Schenkung die selbstgefertigten Eisenleuchter am Altar durch vier Bronze-Leuchter.

1982 wurde der Altar aus dem Chorraum herausgenommen. Auf einem großen vorgezogenen Halbrund aus Anröchter Sandstein fand der bisherige Marmortaufstein, mit einer runden Sandstein-Tischplatte versehen, seine Aufstellung als neuer Altar.

Im Jahr 1998 erhält das Gemeindehaus eine Küche im ehemaligen Jugendraum. Sie löst das Provisorium der viel zu kleinen Teeküche ab. 2004 werden erste energetische Sanierungen vorgenommen. Aus Mitteln des Fördervereins bekommt die Kirche 2008 einen neuen Kerzenleuchter, 2010 das neue Friedensfenster und das Gemeindehaus erhält 2013 neue Fenster.

2014 wird das Gemeindehaus barrierefrei und eine behindertenfreundliche Toilette gebaut. Der Besuch der Friedenskirche ist nun auch über das Gemeindehaus für Menschen mit Handicap uneingeschränkt möglich.

Die Ortsteile Enniger und Vorhelm

Obwohl seit 1946 in Enniger und Vorhelm regelmäßig Gottesdienste gehalten wurden, entstand doch auch eine Beziehung der dortigen Gemeindeglieder zur Friedenskirche; denn viele Taufen und Trauungen fanden hier statt, und ebenso die jährlichen Konfirmationsgottesdienste, Zunächst hatten die Gottesdienste in den beiden Außenorten in den dortigen katholischen Kirchen stattgefunden, in den fünfziger Jahren aber zog man in die Schulen um: In Enniger war ein Gottesdienstraum im Keller der Marienschule eingerichtet, in Vorhelm stand dafür ein Klassenraum in der Augustin-Wibbelt-Schule zur Verfügung. Seit Anfang der siebziger Jahre wird 14-täglich Gottesdienst in der Eingangshalle der Schule in Enniger gefeiert.

Zum 1. Mai 1969 wird Sendenhorst von der Kirchengemeinde Ahlen gelöst und zur selbstständigen Kirchengemeinde mit Enniger und Vorhelm erklärt.

In Vorhelm wurde der Schulraum für die wachsende Gemeinde zu klein. Einige Jahre feierte man in der katholischen Kirche den Gottesdienst. 1975 begann die Planung eines eigenen evangelischen Gemeindezentrums, das Pfingsten 1979 eingeweiht wurde. Seinen Namen Nicolaikirche verdankt das Gemeindezentrum einem ganz besonderen Umstand: eine ca. 550 Jahre alte Glocke aus der St. Nikolauskirche in Rösnitz/Oberschlesien hat im Turm in Vorhelm einen neuen Platz gefunden und gab bei der Namenssuche den entscheidenden Anstoß.

Bis 2002 hat die Evangelische Gemeinde für die inzwischen fast 2.400 Gemeindeglieder zwei Kirchen und den Gottesdienstraum in Enniger. In allen drei Gemeindeteilen wird seit Beginn der 90-er Jahre wöchentlich Gottesdienst gefeiert.

Die Gegenwart

2003 wird der Gemeindeteil Enniger aus strukturellen Gründen an die Kirchengemeinde Ennigerloh abgeben. Bis 2007 ist die Kirchengemeinde stetig gewachsen, seitdem wird sie kleiner. Da für die kleiner gewordene Gemeinde zwei eigenständige Kirchengebäude finanziell nicht mehr tragbar sind, wird nach zwei Gemeindeversammlungen die Bewirtschaftung der Nicolaikirche in Vorhelm 2013 an den Förderverein der Nicolaikirche übertragen.

Gottesdienste finden nun in Vorhelm am 1. und 3. Sonntag im Monat statt.

Beide Kirchen sind barrierefrei zu erreichen und haben einen behindertengerechte Toilette.

 

 

Pfarrer Manfred Böning nach einem Manuskript, das Pfarrer Werner Günther zur Feier des 30-jährigen Bestehens der Friedenskirche (1982) erstellt hat. (Bilder: Archiv der Kirchengemeinde)

Friedenstaube

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Friedenskirche Luftbild 1955

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Altar der Friedenskirche um 1960

Friedenskirche um 1980

Friedenskirche seit 2015

Friedenskirche Innenraum 2015

Besucherzaehler